Konzerte

Rock Am Ring, by Monica

Schon am Abend vorher trafen wir uns alle bei Sabine zu Hause. Wie meist vor einem Konzert stimmten wir uns mit einem guten Glas Prosecco, Photos, ganz viel a-ha und noch mehr "weisst du noch" auf das Konzert ein. Wie würde es wohl werden? Es sollte für uns das erste Festival werden, an dem a-ha auftritt. Wie werden a-ha ankommen? Werden sie vom Publikum akzeptiert werden? Diese Fragen, die uns an dem Abend ebenso beschäftigen wie die Frage "Wann hört es endlich auf zu regnen?". Am Morgen dann erster Blick zum Himmel: Grau, viele Wolken, aber kein Regen! In einem fröhlichen Durcheinander nahmen wir unser Frühstück ein, duschten und packten unsere Siebensachen zusammen. Es schien alles ein bisschen chaotisch, und man merkte uns unsere Vorfreude und auch ein bisschen die Nervosität, die vor jedem a-ha Konzert herrscht, an.

Endlich waren wir alle in zwei Autos verstaut und es ging ab Richtung Nürnberg Ring. Auf der doch noch recht langen Fahrt dorthin wurde natürlich fleissig a-ha gesungen. Alle waren fröhlich drauf, und auch die gelegentlichen Regenschauer konnten unsere Freude nicht dämpfen! Einen kurzen Schock hatten wir wohl alle kurz auf dieser Fahrt. In einem Waldstück mit engen unübersichtlichen Kurven überholte uns eine Frau. Wir diskutierten noch darüber, wie verantwortungslos das wäre, und vor allem wie gefährlich, als uns nach der nächsten Kurve der Atem stockte. Die Frau hatte bei einem weiteren Überholmanöver ein entgegenkommendes Fahrzeug gerammt. Zum Glück gab es nur Blechschaden. Da es genug Zeugen gab, die den Unfall direkt beobachtet haben konnten wir weiter unseres Weges gehen.

Ein Weilchen war die Stimmung bedrückt, aber irgendwann fingen die ersten wieder an, bei a-ha mit zu summen, und bald war unsere gute Laune zurück. Dann war auch schon der Nürburg Ring vor uns. Endlich da! Aber irgendetwas konnte nicht stimmen. Es waren absolut keine Zuschauer da, keine Zelte und nur gerade ein Security Mann. Kurzes Nachfragen und achso! Wir waren an der Nordkurve, das Openair aber bei der Start/Ziel Geraden ;-) naja, nach weiteren 20 min tauchten die ersten Zelte auf und schon bald sah man den Eingang. Wir holten Natascha in ihrem Hotel ab und besorgten noch die letzten Tickets. Eigentlich sind wir ja alle wahnsinnig, da es keine Tageskarten gab bezahlten die meisten den Preis der Dreitageskarten, nur um a-ha zu sehen. Auch wenn es ein wenig verückt war, uns war jeder Rappen wert.

Als sich die Tore endlich öffneten, wollte die Security meinen Photoapparat nicht rein lassen, weil er angeblich ein zu grosses Zoom hatte. Mini's spontan Reaktion hab ich es zu verdanken, dass meine Kamera doch noch rein kam. Praktisch gleichzeitig wie mich die Security nach draussen wies, um meine Kamera da abzugeben, schnappte sich Mini diese unauffällig und lief damit rein. Ich ging ohne Kamera kurz raus, wartete ein Weilchen und ging dann wieder rein ;-) Naja, nach einigen Konzerten wird man erfinderisch, und ich denke und hoffe a-ha hat nicht wirklich was dagegen, wenn wir an ihren Konzerten Photos machen, solange sie für den Eigengebrauch sind und niemand ein Geschäft damit macht.

Auf dem Gelände selbst war es wie an einem Familienfest. Überall traf man auf bekannte Gesichter, die wir von anderen Konzerten schon kannten. Manche hat man seit März in Oslo nicht mehr gesehen, und da war die Wiedersehensfreude natürlich sehr gross. Es war schön zu sehen, wieviele a-ha Fans trotz schlechtem Wetter und wahnsinnigem Ticketpreis den Weg an den Nürburgring fanden. Kaum drinnen kam Mini die glorreiche Idee, wir könnten uns alle bunte Cowboy Hüte kaufen. Eigentlich finden wir alle diese Hüte ziemlich dämlich, aber so in der Gruppe macht es einfach Spass. Da wir aus dem Alter raus sind, wo wir mit a-ha Schals, T-Shirt und Buttons an Konzerte pilgern, waren diese Hüte ein neues und originelles Kennzeichen. Von diesem Konzert an sollte a-ha an jedem Konzert in den ersten Reihen diese Hüte erblicken. Die "First-Row-Cowgirls" waren geboren.

Am Nachmittag gab es für viele von uns einen ersten Höhepunkt. Briskeby hatte ihren Auftritt. Viele von uns kannten Briskeby schon von unzähligen a-ha Konzerten wo sie als Vorgruppe auftraten, und viele von uns fanden (und finden) sie auch echt gut. Wie immer rockte ihr Gittarist Bjørn so über die Bühne, dass es a) beinahe unmöglich war, ein Photo zu machen und ich mich b) oft wunderte, dass er sich nicht ins Gitarrenkabel verwickelte. Auch Lise, die Sängerin, überzeugt mit ihrem wahnsinnig sexy Tanzen. Zusammen mit ihren Songs, die einem vom ersten Ton an zum Tanzen animieren, lieferten die vier eine perfekte Show! Besonders schön ist es zu sehen, wie nah sie den Fans noch sind. Als ich ein Plakat hoch hielt auf dem (auf norwegisch) stand: "Danke! Ihr seid fantastische Musiker" erhielt ich von Lise als Dankeschön einen "per Luftpost verschickten Handkuss" ;-)

Die restlichen Stunden versuchten wir uns mit Kaffe im einzigen (viel zu kleinen) Zelt einigermassen warm zu halten. Und ich bin mir sicher, nur der Gedanke dass a-ha bald auf der Bühne steht hielt uns davon ab nicht sofort ins Auto zu steigen und nach Hause in die Wärme zu fahren. Ein weiteres schönes Zeichen, was a-ha für uns bedeutet, und welch wunderbare Freundschaften durch a-ha entstanden ist folgende kurze Story. Natascha gewann bei einem Wettbewerb zwei Tickets für die VIP Lounge. Aber statt diese selber zu benutzen, schenkte sie die Tickets Ina. Ina hatte erst gerade eine Blindarm Operation hinter sich, und war enttäuscht, dass sie dadurch nicht ans Konzert konnte. So kurz nach einer Operation war es verantwortungslos, stundenlang in einer engen Menge zu stehen. Dank den VIP Tickets von Natascha konnte sie kurz vor dem a-ha Auftritt kommen, von der Lounge aus gemütlich das Konzert sehen, und dann gleich wieder heimfahren und sich schonen. Ich würde sagen, hier ist ein grosses Danke an Natascha angebracht!

Ca. um 17 Uhr gingen wir raus in den Regen, um dann beim a-ha Auftritt auch möglichst weit vorne zu stehen. Was uns da erwartete hat wohl keine von uns "alten Damen" ;-) erwartet. Unterschätzt nie (!!!) Teenies, die auf Ihre Idole warten!. Es war ein Gedränge und Geschubse in der Menge, dass einem fast die Luft weg blieb. Man spürte den Regen und die Kälte immer weniger, dafür die blauen Flecken immer mehr. Je näher der Auftritt von HIM rückte, desto schlimmer wurde es. Trotzdem war niemand von uns darauf gefasst was geschah, sobald Ville und Co. auf der Bühne stehen. Es wurde gepogt, geschubst und man kriegte echt kaum mehr Luft. Uns war das Lachen schon lange vergangen. Jeder dachte nur noch, nun habe ich soviele Stunden ausgehalten, diese eine Band halt ich auch noch aus. Ich weiss noch, wie ich da in der Mitte 2. Reihe stand, oft die Augen geschlossen und nur dachte: "Bald ist a-ha auf Bühne, dann hat sich all die Mühe gelohnt und die Fans sind auch wieder normal".

Irgendwann haben wir uns alle in der Menge verloren, und ich sah leider wie viele meiner Freunde aus der Menge gezogen wurden, weil ihnen alles zuviel wurde. Urplötzlich liess sich auch der Fan vor mir rausziehen und ich stand unvermittelt in der ersten Reihe. Als HIM endlich die Bühne verliess dachte ich nur noch "Danke Gott, ich habe es überlebt"! Ich schaute mich um, und hinter mir waren nur noch Sabrina und Alexa als bekannte Gesichter. Alle anderen haben wir irgendwie verloren. Das Witzige war aber, während dem (extrem langen) Warten auf a-ha tauchten von allen Seiten unsere Freunde wieder auf. Und als dann a-ha nach stundenlangem Frieren, Kämpfen und Ermüden unsererseits endlich vor uns standen, waren die "First-Row-Cowgirls" glücklich und vereint an ihrem gewohnten Platz ;-)

a-ha kam dick eingepackt und sichtlich fierend auf die Bühne. Morten trug eine viel zu kleine Daunenjacke, die er sich an dem Morgen noch schnell am Flughafen kaufte. Später wurde die Jacke dank Magne als Schlafsack bekannt ;-) Wenigstens regnete es kaum noch bis gar nicht. Nach dem uns mittlerweile sehr bekannten Intro folgten "Minor Earth Major Sky." Nach "The sun never shone that day" bedankte sich Morten bei uns und fragte uns, ob wir kalt haben! Oh ja, guter Mann und wie! Sein Tipp gegen Kälte: Ihr müsst halt näher zusammen rücken, dann kriegt ihr warm" - kurze Pause - "Ähm, wir bräuchten mehr von euch hier oben!" Ich bin mir sicher, manche von uns wäre liebend gerne auf die Bühne gegangen, um den Herren ein bisschen warm zu geben ;-)

Nach "I've been losing you" animierte Magne uns nochmals dazu, a-ha im Kampf gegen die Kälte zu helfen "Wir versuchen uns warm zu halten, aber wir brauchen eure Hilfe. Wenn ihr euch zum singen fühlt: Jetzt ist es der richtige Zeitpunkt dazu, OK?" Ja, klar Magne! Alle sangen begeistert bei "Manhattan Skyline", "I wish I cared", "Cry Wolf", und "Mary Ellen Makes the moment count" mit. Es schien aber nicht zu helfen, Magne fror noch immer und teilte das uns mit einer Ausdrucksweise mit, die wir uns von a-ha nicht gerade gewohnt waren, die aber alle zum lachen brachte: "Wir kommen direkt aus Norwegen, da ist es 25°C. Was ist mit der Welt passiert? Hier ist es kälter als am ‚fucking' Nordpol". Zum Glück aber waren seine Finger noch nicht ganz steif gefroren, und wir bekamen ein wunderbares "Stay on these roads" mit Magne am Piano zu hören. "Stay on these Roads" ist immer ein wunderbarer Moment. A) ist es mein absoluter Lieblingssong und b) ist es immer der Moment, wo Tausende von Blitzlichter aufleuchten, weil die drei zum ersten Mal eng zusammen stehen, so dass man wunderschöne Bandphotos schiessen kann! Man merkte sichtlich, wie dankbar a-ha uns Fans war. Und nicht nur den "alten Hasen" unter den a-ha Fans, nein auch die zahlreichen Festival Besucher die nicht explizit wegen a-ha da waren, swingten super mit. Morten bedankte sich dann auch artig mit einem deutschen "Vielen Dank" bei uns. Zur Sicherheit, dass ihn auch alle verstanden haben folgte dann (auf englisch) "Thank you very much - falls ihr mein deutsch nicht versteht" - dazu Mortens grandioses Grinsen "Ihr seid ein Klasse Publikum". Sogar Paul schien seinen Spass zu haben und das Lächeln, das zu Beginn von "You'll never get over me" über sein Gesicht huschte war richtig ansteckend!

Nach "Velvet" stellte uns Magne wie immer die Backing Band vor, und dann rockte a-ha so gleich mit "The sun always shines on TV" und "The living daylights" weiter. Besonders Morten war sichtlich gerührt, als die ganze Menge "The living daylights" weiter sang, obwohl für a-ha der Song eigentlich schon längst zu Ende war. Auch ich fand es eindrücklich, wie die Tausenden von "nicht a-ha Fans" genauso begeistert mitsangen wie die Hunderten von a-ha Fans. Es war eingetreten, womit zumindest ich nicht gerechnet hätte, a-ha hatte das gesamte Publikum in der Tasche! a-ha hat mit ihrem Können das gesamte Publikum überzeugt. Einmal mehr war ich richtig stolz a-ha Fans zu sein. Der nächste Höhepunkt folgte zu gleich: Hunting High and low. Wie immer animierte uns Morten mit einem "wollt ihr versuchen mit mir zu singen" das Publikum dazu, aus voller Kehle "Hunting High and Low" zu singen. Im Vergleich zum "mit- gröll- Song" "The living daylights" ist "Hunting high and Low" doch eher anspruchsvoll sowohl im Text als auch in der Tonlage, und ich war gespannt, wie es mit so vielen "nicht a-ha Fans" klingen würde. Es klang grandios! Dieser Song war wohl allen aus frühreren Jahren noch bekannt ;-) Nicht nur ich war begeistert. Morten verabschiedete sich danach mit den Worten " Thank you very much, thank you so much all of you, this is a good vibe for us, thank you so much" Dann verbeugte er sich, streckte kurz die Faust in die Höhe und ich hatte Tränen vor Rührung in den Augen. Mag nun ein wenig sentimental klingen, aber ich war so stolz auf a-ha. Sie hatten der Kälte und den a-ha Kritikern getrotzt und ihr erstes Deutschland Festival grandios gemeistert. Nun hatten sie alle in der Tasche, alle Zuschauer waren von a-ha begeistert. Und ich war gleichermassen begeistert, stolz und gerührt über die Freude, die besonders Morten hinsichtlich ihres Erfolges an diesem Abend hatte.

Vor der ersten Zugabe " Summer moved on" heizte uns Magne nochmals mit einem "Wir singen einen weiteren Song, um die Heizung ein wenig aufzudrehen" auf, und Morten bedankte sich abermals bei uns "Ihr seid wirklich ein fantastisches Publikum, thanks you so much! Wir sollten im Sommer nochmals zurück kommen". Wie sehr die Kälte Mortens Stimme zusetzte hörte man während des ganzen Konzertes, aber am schlimmsten war der Beginn von "Summer moved on". Als er zu singen begann, brach seine Stimme kurz ab, und er krächzte mehr als er sang. Morten löste das jedoch sehr galant und wandelte den ersten Part von "Summer moved on" in einen Sprechgesang um. Bei "Crying in the rain" erlebten wir einen fast magischen Moment. Just als Morten und Anneli im Duett sangen begann es wie aus Kübeln zu regnen. Wir waren wohl alle genau so begeistert wie a-ha und Anneli. Das war der Höhepunkt eines Konzertes wie man es in keinem Buch besser schreiben könnte! Einfach fantastisch, wie sogar die Natur mitspielte. Nach einem bombösen "Take on me" war das Konzert leider entgültig zu ende. Nicht nur die Menge tobte vor Begeisterung, auch a-ha war hin und weg. Morten verabschiedete sich mit den Worten "Thank you everybody, Thank you so much, you're a fucking great crowd! Thank you! Good night!" Und dazwischen hörte man mehrmals Magnes "Thank you"! Glücklich verliessen wir alle zusammen das Gelände. Müde aber mit der Vorfreude, dass wir a-ha am nächsten Tag abermals live sehen können. Kurz vor dem Parkplatz beobachtete ich noch eine witzige Szene am Rande: Vor mir liefen zwei Teenies mit Rastalocken, so Typ "Kiffer Jugend". Äusserlich garantiert keine a-ha Fans. Jedoch hörte ich wie der eine zum andern sagt: " Der Penner wird sich morgen noch gehörig ärgern, dass er so früh schlafen ging!" "Ja, der weiss echt nicht was er verpasst hat" und dann liefen sie "The living daylights" singend weiter. Wow! "Unsere" Jungs haben wirklich jeden hier überzeugt! Mit einem glücklichen Lächeln gesellte ich mich zu den anderen und gemeinsam fuhren wir zu Simo, wo wir alle übernachten durften.