Konzerte

Soundarena - Wohlen, by Susanne

Manchmal habe ich nun mal so Vorahnungen.
Ich sagte im Spass zu meiner Mutter, als ich sie Anfang April an ein Elvis-Spektakel begleitete: "Vielleicht darfst Du mich ja mal wieder an ein a-ha-Konzert begleiten, so wie damals!"

Nun, meine Mutter kam nicht mit. Dafür war Wohlen schuld, dass ich Monica und Ilaria kennenlernte.
Hätte mir Sandra nicht den Blick-Zeitungsausschnitt gebracht, würde ich jetzt nicht hier sitzen und an dieser Homepage basteln. Es war die einzige Anzeige, die ich über dieses Festival zu Gesicht bekam. Eine halbe Stunde später waren die Tickets bestellt. Als Internetfreak und Webdesignerin sass es mir bereits in Fleisch und Blut, mir die Homepage dieses Rockfestivals ansehen zu müssen, die ich mir dann in der Mittagspause bei der Arbeit zu Gemüte führte. Ich wollte überdies wissen, wie lange a-ha auftraten und wann, der Rest der Veranstaltungen interessierte mich nicht die Bohne. Und so verirrte ich mich auf Tommis Website.

Ich las schmunzelnd nach all den Jahren mal wieder a-has Biographie durch. Ach ja, einst wusste ich das alles auswendig, aber leider hatte ich meine gesamte Sammlung vor elf Jahren vernichtet. Dafür habe ich noch alle meine Tagebücher. Ich habe die Zeit nie vergessen. Ich habe sie in schöner Erinnerung. a-ha sind gute alte Freunde von mir.... Ich habe Geschichten über sie geschrieben, die ich noch heute in meinen Kisten aufbewahrt habe. Damals waren Computer keine Selbstverständlichkeit, und das Wort Internet kannte kein Mensch. Wie schön wäre es doch, überlegte ich mir, eine Homepage über a-ha zu machen...

Ich chatte so gut wie nie, weil ich kaum Zeit habe, aber diesmal dachte ich mir, warum nicht? Und so loggte ich mich am selben Abend ein und stiess sehr bald auf ein positives Echo, als ich dort schrieb, dass ich aus Basel kam... In Kürze schloss ich Bekanntschaft mit Monica und sie lud mich zu sich nach Hause ein, wo ich feststellte, dass wir beide im Quasseln 1A waren. Wir verstanden uns auf Anhieb super! Dass sie auch bereits im Besitz von Tickets nach Wohlen war, war ja klar!

Am Abend vor dem Konzert trafen wir uns alle zusammen im ZicZac in Allschwil. Alle zusammen, das waren Monica, Simo, Natascha, Brigitte, Berndt, Minnie und noch ein, zwei, deren Name ich leider vergessen habe (bitte etwas beschämt um Verzeihung!) und ich. Es war das erste Mal, dass ich die Leute traf, von denen Monica mir schon so viel erzählt hatte.
Die anderen hatten einen weiteren Weg als ich, und so sass ich als erste in dem überfüllten Lokal. Entgegen meiner sonst üblichen Schüchternheit stand ich plötzlich entschlossen auf und kletterte die Leiter zum DJ hoch. Mit Mühe und Not fand er "The Living Daylights" und versprach mir, den Song um zehn Uhr zu spielen. Als die anderen eintrafen und Minnie meinte, die sollten doch hier gefälligst a-ha spielen, grinste ich wie ein Honigkuchenpferd. Punkt zehn erklangen die Takte von "The Living Daylights" und ich hatte somit der Tischrunde eine Riesenfreude bereitet ;-)

Der nächste Tag kam heran und ich hatte keine Ahnung, was mich erwarten sollte. Ich nahm meine Freundin Brigitte als Begleitung mit, die damals in unserer Jugendzeit meine a-ha Schwärmerei über sich hatte ergehen lassen müssen. Das einzige, was mich wurmte, war, dass ich nicht mit Monica in die erste Reihe stehen konnte, weil Brigitte das nicht zusagte und ich es unhöflich fand, meine Begleitung einfach alleinzulassen. Auf dem Weg zum Bahnhof kaufte ich eine rote Rose, weil wir dies am Vorabend so verabredet hatten.

Das Gelände war gross und bereits voller Stimmung, und die Sonne knallte wirklich mit aller Kraft vom Himmel. Ich trug meine neuen kurzen Jeans und eines dieser rosa Glitzeroberteile, das mir bald am Leib klebte, und eine lächerliche Schirmmütze, die mich vor allzu intensiver Sonneneinstahlung schützen sollte. Und so pirschten wir durchs Gelände und suchten unseren a-ha-Fan-Meeting-Point.
Inoffiziell war unser Fanclub bereits gegründet und nun lernte ich endlich auch Ilaria kennen, mit der ich mich ebenfalls sofort gut verstand. Ich tigerte mit Brigitte los, um erstmal eine Stärkung zu beschaffen. Wir fanden halblauwarme, chinesische Nudeln.

Als die Reggaegruppe ihren Auftritt hatte, gesellten wir uns langsam wieder zu den anderen. Es war ein Leichtes, nach vorne zu kommen, die Menge stand nicht sehr dicht gedrängt. Hier würden nachher a-ha auftreten. Ich war ziemlich aufgeregt. Und da meinte Brigitte, es würde ihr nichts ausmachen, wenn ich vorne stehen würde, sie würde sich nach hinten verziehen und nach dem Konzert auf mich warten. Es war unheimlich lieb von ihr! Also schloss ich mich Monica und Ilaria an und wir rutschen immer weiter nach vorne bis zur zweiten Reihe. Ich konnte es fast nicht glauben. Wenn mir einer damals vor fünfzehn Jahren erzählt hätte, dass ich a-ha doch noch einmal von so nahem erleben würde, hätte ich ihn für verrückt erklärt. Diese Vorstellung rührte mich ziemlich ;-))

Und so stand ich also da, prüfte zum hundertsten Mal, ob ich alles dabeihatte, ob der Film in der Kamera war, meine Mütze einigermassen gerade sass, ich genug Sonnencrème auf meine Schultern eingerieben hatte und zur Wasserflasche und Dextro Energen greifen konnte, wenn die Sonne zu heiss auf meine Birne brutzeln würde. Ich stand nun also hier in der zweiten Reihe und hatte einen guten Ausblick auf die Bühne. Als ich aus irgendeinem Grund auf die Idee kam, meine Wasserflasche umzuschütten und dies auf sehr... äh... umständliche Weise tat, zupfte mich Monica plötzlich am T-Shirt. Im selben Moment fiel mir ein, dass ich die Flasche besser umschütten konnte, wenn ich den Deckel ganz aufmachte ;-). Als ich fertig war, schob mich Monica plötzlich nach links in die erste Reihe und befahl mir: "Hier bleibst Du stehen und rührst Dich nicht von der Stelle!"

Erste Reihe! Wow! Wenn ich das zuhause erzählen würde! Direkt zwischen Magnes Keyboard und Mortens Mikrophon. Nicht schlecht! Die Stimmung stieg an.
Und da war es endlich soweit, a-ha betraten die Bühne und legten mit Minor Earth, Major Sky los. Wir warfen die Rosen Richung Bühne. Ich traf natürlich daneben, einige andere auch, und die Securitas hoben sie auf und legten sie auf die Bühne.

Es war wirklich grossartig, vorallem weil man spürte, dass es a-ha Spass machte, auf der Bühne zu stehen. Davon hatte Monica, die schon an mehreren Konzerten war, immer geschwärmt, und sie hatte Recht! Unser Willkommensgruss "Hjertelig velkommen i sveits!" wurde leider vom Gejubel der Fans verschluckt :-)
Der Kontakt wurde immer besser. Morten vergass, wie könnte es anders sein, öfters seinen Text und grinste wie ein Lausbub. Er war es, der am meisten redete, gefolgt von Magne, und Paul war voll in die Musik versunken. Ich erinnerte mich, dass er auch damals vor dreizehn Jahren nie geredet hatte.
Irgendwie kam mir Mortens Humor ziemlich vertraut vor. Als er durstig zur Wasserflasche griff, blickte er mir direkt in die Augen und klopfte sich grinsend an die Brust. Dann hob er eine der Rosen auf und steckte sie dem seelenruhig und hochkonzentriert musizierenden Magne in den Hosenbund. Es sah zum Schreien aus. Magne tat nichts dergleichen. Ob er es überhaupt bemerkt hatte? ;-)

Die ersten beiden Höhepunkte waren "The Living Daylights" und "The Sun Always Shines on TV", wo wir kräftig mitsangen. Besonders gut gefiel mir auch "I wish I cared", wo Morten mit Anneli im Duett sang. Anneli hatte ich schon vorher auf Video gesehen. Sie ist wirklich eine hübsche sympathische junge Frau mit einer wunderschönen Stimme!

Das gute alte "Take On Me" war das Finale, und es gab wohl kaum jemanden, der den Text nicht in- und auswendig kannte. So schnell wie es gekommen war, war das Spektakel vorbei, und ich irrte belämmert durch die Hitze auf der Suche nach Brigitte und Monica und Ilaria, die spurlos verschwunden waren. In meiner Hand hielt ich Monicas Hut. Brigitte fand ich schliesslich, aber die anderen beiden waren wirklich im Getümmel verschwunden. Ich blieb noch eine Weile und liess das Erlebnis verklingen, a-ha nach all den Jahren doch noch einmal wiedergesehen zu haben. Warum hatten sie mir damals so viel bedeutet? Ich bin eben mit ihnen aufgewachsen, und es sind gute alte Freunde geblieben...