Konzerte
Madrid , by Ilaria
Montag, 7. Oktober 2002
Ich bin gestern Abend aus Madrid zurück gekommen, wo ich eigentlich
gar nicht hin wollte, bis ich am Donnerstag Morgen eine unglaubliche Offerte
im Internet entdeckt habe. Gültig nur am 4., 5. und 6. Oktober. 113
Euro! Unglaublich!!! Ich buche den Flug und fahre nach Zürich, um
einen gemütlichen Abend mit den noch hier gebliebenen Leuten der
italienischen Mailinglist zu verbringen.
Am Freitag packe ich und steige in den Zug nach Genf. Die Reise scheint
kein Ende zu nehmen. Glücklicherweise hat sich ein guter Freund via
sms gemeldet, so ist wenigstens die zweite Hälfte der Reise etwas
schneller verflogen.
Im Flugzeug sitze ich neben einer netten Schwedin, die mir ganz viele
interessante Dinge über Madrid erzählt und auch über Skandinavien
unterhalten wir uns lange.
In Madrid gelandet, warte ich knapp eine Stunde, das auch Monica aus
Zürich ankommt. Sie hat ihren Flug schon vor geraumer Zeit gebucht.
Sie kommt an, wir begrüssen uns und machen uns schon bald auf die
abenteuerliche Suche nach einem Hotelzimmer. Kein einfaches Unterfangen.
Es war fast kein freies Zimmer zu finden. Ich hatte schon den ganzen Morgen
vergeblich im Internet gesucht und wir hatten beschlossen vor Ort zu gucken.
Endlich, nach Mitternacht, werden wir in einer Pension fündig. Die
Türen der Zimmer sind aus blickdichtem Glas. Ungewöhnlich. Aber
ansonsten gefällt es uns dort gut. Plötzlich, mitten in der
Nacht, werden wir von grossem Krach, wie von zerklirrendem Glas, aufgeschreckt.
Ich finde es zunächst lustig, aber Moni denkt sofort an das Schlimmste,
wie dass sich zum Beispiel Diebe eingeschlichen haben könnten und
nun drauf und dran seien die Glastüren einzuschlagen, um einbrechen
zu können, und sie schafft es in Sekunden auch mir Angst ein zu jagen.
Nach einigen Minuten Angst, halte ich es nicht mehr aus und beschliesse,
dass ich wissen muss was los ist, damit ich mich wieder beruhigen kann.
Mit einem spitzen Kamm "bewaffnet" schleiche ich in den Korridor
und Monica folgt mir. Zweimal links um die Ecke und einmal rechts und
des Rätsels Lösung steht vor unseren Augen. Jemand hat sich
aus dem Zimmer ausgeschlossen und sie mussten das Glasfenster kaputtschlagen,
um sich wieder Einlass zu verschaffen! Verrückt! Und so was ohne
Vorwarnung mitten in der Nacht!
Am nächsten Morgen machen wir uns auf, Richtung Konzertlokal. Es
waren noch keine Fans da, aber beim Hintereingang stand schon ein LKW
der Tour.
Wir haben eine Unterkunft für die Nacht gesucht. Auch diesmal kein
einfaches Unterfangen und nachdem wir uns frisch gemacht hatten sind wir
wieder zum Lokal, wo jetzt schon Simona und Roberta da waren und auch
ein paar sympatische spanische Fans. Das Anstehen war ohne Frage viel
nervenaufreibender als in Zürich, auch wenn zum Glück erst kurz
vor Türöffnungszeit. Anscheinend haben a-ha noch nie zuvor in
Spanien gespielt und die Aufregung einiger Fans, vor allem nach dem einige
noch die Chance bekamen a-ha schnell ein Autogramm und ein paar Fotos
abzugewinnen, als sie zum Soundcheck einfuhren, war unbeschreiblich. Rührend,
ihnen beim im Worte fassen ihrer Gefühle zu zu hören
Die Organisation was die Tickets angeht war miserabel. Wer eine E-mail-Bestätigung
hatte, konnte sie erst wenige Minuten vor Türöffnung gegen ein
gültiges Ticket eintauschen. Natürlich nicht beim Eingang. Gott
sei Dank hatten Simo und Roby das auch für uns schon in Barcelona
erledigt. Will gar nicht dran denken wie es sonst gewesen wäre...
Nach dem ersten Schreck gleich nach Türöffnung (Roberta ist
gestürzt) haben wir uns mit unseren grossen Landesflaggen in der
ersten Reihe platziert. Roby und Simo auf der rechten Seite. Ich ziemlich
in der Mitte und Monica links von mir.
Als die Jungs noch im Halbdunkeln auf die Bühne kommen, guckt sich
Morten die erste Reihe an und nickt lächelnd als er das Tusen Takk
auf Monica's Schweizerflagge sieht und er lächelt auch als er die
Italienische Flagge sieht.
Das Konzert war gut! Nicht ausserordentlich, aber gut! Die Disco in der
sie gespielt haben, war schön, die Bühne klein, aber trotzdem
hatten sie vier Reflektoren für ihre Lichtshow aufgestellt. Das Publikum
war sehr ausgelassen. Manchmal konnte man Mortens Stimme gar nicht mehr
hören und die von Anneli fast überhaupt nie, weil so laut geschrien
wurde. Es war wahnsinnig heiss! Die Jungs waren in guter Stimmung. Morten
hat sich einige Male versungen und auch Magne hatte diesmal etwas Probleme
mit seinem Dragonfly. In der ersten Strofe hat er sich versungen und das
hat ihn fast bis zum Schluss sichtlich verunsichert. Den letzten Teil
hat er aber wieder wunderbar interpretiert. Pål hat uns wieder mal
mit seiner rockigen Art positiv überrascht! Sie haben keine zweite
Zugabe gegeben.
Nach dem Konzert habe ich mich der Bühne genähert, um einen
Techniker anzusprechen, den ich auf Fotos eines norwegischen Freundes
gesehen haben musste. Die Security Leute wollten mich aufhalten, aber
er sagte ihnen es sei ok und ich durfte einen Augenblick bleiben. Ich
hab ihm von den Fotos erzählt und er meinte aber, dass er sich an
mich erinnere, weil wir uns in einem Lokal in Oslo begegnet waren. Ops
das wusste ich gar nicht mehr!
Ein kleiner Happen im nahegelegen Burger King und dann sind wir erschöpft
ins Bett gekracht.
Sonntag, so gegen halb elf, nach einer Sightseeing-Tour im Taxi, einem
Abstecher in den Hardrockcaféshop, um meiner Cousine ein Geschenk
zu kaufen und nach der Verabschiedung von Monica, bin ich zum Flughafen
gefahren.
Der Flughafen war überfüllt! Obschon ich eigentlich doch sehr
oft fliege und ich sonst noch nie Probleme hatte, finde ich den Swiss
check-in desk nicht. Nachdem ich einige Minuten in eine Richtung gelaufen
bin ohne fündig zu werden, beschliesse ich einen Typen einer anderen
Fluggesellschaft zu fragen. Er antwortet mir, dass er selber auch nicht
so sicher sei, aber er meine es müsse genau auf der gegenüberliegenden
Seite liegen. Wenn ich an die langen Menschenschlangen denke, die ich
vorher gesehen hatte, wird mir fast übel. Ich bedanke mich, nehme
mein Gepäck wieder in die Hand, drehe mich in die andere Richtung
und laufe beinahe in einen Kinderwagen, der eine Frau vor sich schiebt.
Es ist LAUREN!!! Ein kurzer Moment kommt es mir vor als sei ich im falschen
Film. Sie strahlt mich an und hält, um mir die Hand zu drücken,
weil sie mich wiedererkannt hat (aus Zürich). In dem Moment geht
Pål mit ihrem Gepäck an uns vorbei. Er guckt zurück und
lächelt, aber hält nicht an. Ich wünsche ihnen eine gute
Reise und setzte meinen Weg fort. GULP!! Ich kreuze Christer, Ylva und
Sven Lindvall. Ich gehe aber einfach weiter. Es ist mir irgendwie so peinlich.
Wieso ist denn niemand bei mir??? HILFE!! Einige Schritte weiter vorne
kommt's noch schlimmer! Unverkenntlich steht da Morten, mit dem Rücken
zu mir, an einem Geländer angelehnt. In einem ersten Moment, denke
ich einfach weiter zu gehen, als wäre nichts. Aber dann sage ich
mir, dass ich mir sowas für immer vorwerfen würde und so fasse
ich allen Mut zusammen und nähere mich ihm. Ich bleibe da stehen,
weil Morten am Telefon spricht. Sein Bodyguard lächelt mir zu und
das nimmt mir ein wenig Anspannung. Er hätte mich ja auch aufhalten
können oder schlimmer noch, weg schicken können. Statt dessen
hat er mich nur die ganze Zeit angestrahlt. Kurz danach nähert sich
Ylva's Assistentin und gibt Morten eine Tasche in die Hand. Er nimmt die
Tasche und dreht sich um, um weiter zu gehen und steht sozusagen genau
vor mir. Er nickt kurz, zeigt auf seinen Ohrknopf und hält mir gleichzeitig
das Handy entgegen und dann zeigt er in die Richtung in die eben alle
anderen gegangen sind. Das heisst, dahin, wo ich gerade her kam und macht
sich auf den Weg, während er weiter telefoniert. Ich bleib wie angewurzelt
stehen. Er dreht sich wieder um, guckt mich fragend an und sagt: "You
have to come this way!" Etwas unsicher folge ich ihm. Wir kommen
zum Check-In Desk der Air France, wo mittlerweilen, bis auf Mags und seine
Familie und die Bühnencrew, alle da stehen.
Morten geht zu den anderen, er überholt sogar die meisten, ohne
sich auch nur nach mir umzuschauen und lässt mich nun total verunsichert
da stehen
hm
Dass meine Anspannung etwas nachlässt, dafür
sorgt diesmal Anneli.. unabsichtlich! Ihr fallen die meisten Gepäckstücke
vom Wagen und ich nähere mich ihr, um ihr zu helfen. Die Armen, sie
waren wirklich vollbeladen.
Ich trete wieder einige Schritte zurück
ich fange gerade an
zu denken, dass es vielleicht besser wäre, wenn ich jetzt einfach
gehen würde, als ich sehe wie Morten seine Tasche hinlegt und sich
in meine Richtung begibt. GULP,GULP! Ich gucke schnell um mich, aber es
ist wirklich niemand anderes da.. HILFE!!! Er kommt zu mir und reicht
mir die Hand und schaut mich dann irgendwie erwartungsvoll an. AHHH, es
fehlt nicht viel und ich weiss nicht einmal mehr wie ich heisse....was
soll ich denn nur sagen??? Schüchtern sag' ich: "'Ähm
I didn't want to bother
just wanted to say hello
." Morten
lächelt und antwortet: " No, no
. It's just that before
there was one thing after the other happening." "Thank you for
the great concert. We had fun!" fahre ich weiter. Er lacht, dreht
sich wieder zu den anderen am Schalter um und antwortet irgendwas auf
Norwegisch. Dann guckt er wieder mich an und fragt: "Who are you?"
"Ehm..I'm from the swiss a-ha fanclub" ist die einzige Antwort,
die mir einfällt. "Ah!" antwortet er "the books!!
They're nice, thanks!" WOW, denke ich und erwidere: " I'm glad
you liked them!" Aber er hakt nach: " but
who are YOU?
What's your name?" OPS.. "Oh, I'm Ilaria" Er nickt, mit
einem Ausdruck der zu sagen scheint: Sehr erfreut. Ich denke er erwartete,
dass ich noch viel mehr zu sagen hätte, aber nebst " We really
appreciate that you came to Switzerland as well" und einigen wenigen
anderen banalen Dingen, wollte mir einfach nichts mehr einfallen... Leider!
Wieder fragt ihn jemand aus der Reihe am Schalter etwas und ich nutze
die kurze Pause, um den restlichen Mut zusammen zu nehmen und frage ihn
anschliessend: " Might I take a picture with you? I've met you several
times but I never got the chance for that." Er guckt sich um, schaut
dann zu den anderen und sagt diesmal auf Englisch: " In my bag
ehm.." Er spricht nicht aus.. Ich habe meinen kleinen Fotoapparat
aus der Tasche geholt. Wenn ich jetzt zurück denke, kommt mir der
Gedanke, dass sich Morten vielleicht sein Kamera geben lassen wollte,
da er ja keine andere sah. Wer weiss? Er bittet eine Frau die in der Nähe
stand ein Foto zu machen. Ich habe keine Ahnung, ob sie zu ihnen gehörte.
Ich stelle mich neben ihn und er zieht mich mit seinem Arm um die Taille
etwas näher zu sich. "Ok", denke ich verlegen
lege
meinen Arm auch um ihn und versuche in die Kamera zu lächeln ohne
zu blinzeln! Flash! Die Frau gibt mir die Kamera zurück. Ich bedanke
mich bei Morten. Zuerst in Englisch: "Thank you for taking the time!"
und dann auch noch auf Norwegisch: "Tusen takk!" und er antwortet
mit einer kleinen Verbeugung und einem strahlenden Lächeln: "Vær
så god!" und entschuldigt sich, weil er wieder zum Schalter
muss..
Ich packe meinen Fotoapparat ein und mache mich nach einem kurzen Abschiedsgruss
auch an alle anderen wieder auf den Weg.
Kurz darauf kommen mir zwei französische Fans entgegen und sie sagen
mir, dass sie auf dem gleichen Flug sein werden wie a-ha, aber dass sie
nicht wüssten wie sie sich verhalten sollten ohne Aufdringlich zu
werden. Da sie anscheinend die Fotoszene und den letzten Wortaustausch
zwischen Morten und mir beobachtet hatten, wollten sie wissen, wie ich
dazu gekommen war. Hm
ich denke kurz nach.. und muss zu meiner eigenen
Überraschung einfach sagen: "Ich wollte nur Morten Hallo sagen
und er hat mir gesagt ich solle ihm folgen. Eigentlich ist alles ohne
grosses Zutun von mir passiert." Ich wünsche ihnen einen guten
Flug und mache mich nun wirklich auf den Weg, denn die Zeit beginnt knapp
zu werden. Ich muss ja noch den swiss check-in desk finden.
Tränen der Freude steigen mir in die Augen, aber ich versuche sie
zurück zu halten. Zwei Schritte neben mir steht plötzlich Christer.
Ich grüsse ihn flüchtig: "Hi Chris!" er lächelt
etwas verlegen. Er bleibt etwas zurück, als wir bei der riesigen
Menschenmenge angelangt sind, aber kurz draufhin muss ich auch wieder
stehen bleiben, weil ich nicht durchkomme und wir befinden uns wieder
neben einander. Er guckt mich die ganze Zeit an, aber sagt nichts, also
breche ich das Schwiegen: " You probably don't remember me. We met
once in Cologne some time ago, but just very quickly!" Er grübelt
und antwortet: "No, I don't remember that. But, I saw you in the
audience yesterday! Did you like the concert?" Ohoh.. ich vergesse
immer wieder wie gut sie uns von der Bühne aus sehen können.
" Oh yes, I did! It was fun! Maybe the audience was a bit too loud.
We could barely hear Anneli and sometimes neither Morten!" antworte
ich und er wiederholt in nachdenklichem Ton: "Hum
too loud
"
Dann fragt er: "Are you coming to France?" " No, I'm going
back home. Not even this concert in Madrid was planned, but I've found
this incredible offer thursday and I couldn't resist
now I have
troubles to find my check-in desk
" "Hehe.. hope you'll
find it!" lacht er. "By the way, aren't you walkig in the wrong
direction?" frage ich ironisch. Aber immer noch lachend erklärt
er mir, dass er nur noch schnell Briefmarken besorgen wollte. Er wünscht
mir viel Glück bei Suche nach dem Schalter und gute Reise. So mache
es auch ich und endlich, 5 Minuten vor latest check-in time, erreiche
ich den swiss Schalter. Wenn man bedenkt, dass ich ursprünglich los
gegangen war um mich mindestens eine Stunde vorher da vor zu finden...na
ja. Ich bleibe noch einen Augenblick da stehen, noch sehr ungläubig
über alles was mir eben passiert war und rufe Monica an, um es ihr
zu erzählen. Wahrscheinlich wird sie kaum verstehen haben können,
was ich da in meiner Aufregung und dem hektischen Suchen der benötigten
Flugdokumenten vor mich herquaselte....
Im Flugzeug.. ein sehr kleines Flugzeug... es hatte nur eine Einzelsitzreihe
auf der einen und eine Doppelreihe auf der anderen, habe ich die ganze
Zeit damit verbracht aus dem Fenster zu gucken. Lächelnd und dann
wieder mit Tränen in den Augen habe ich mir die letzte Woche vor
dem geistigen Auge geführt
eine Woche voller Vorbereitungen
für das Zürich Konzert, Geschenkalben für a-ha anfertigen,
wunderbare Tage mit den Fanclub Members und dem Freunden aus der italienischen
Mailinglist voller bezaubernder Momente, Konzerten... und dieses letzte
unglaubliche Erlebnis, um diese Abenteuer auf unübertreffliche Weise
abzurunden.
Ich möchte laut DANKE!!!!!!!! heraus schreien. Danke, für die
wunderbaren Momente, die ich das Glück hatte zu erleben...

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