Meet & Greet

12.Oktober 2005, Meet&Greet in Zürich, by Susanne

Ich lag Gott schon lange in den Ohren damit. Die, die mich kennen, wissen ja, dass ich eine "religiöse" Ader habe, wobei ich das Wort "religiös" nicht besonders gern höre, da Religion meiner Meinung nach ein Werk von Menschen ist…. egal, ich will hier eigentlich keine theologischen Themen anschneiden. Nur soviel, dass ich an einen Gott glaube, der Herzenswünsche ernst nimmt und sie erfüllt… was ich in meinem bisherigen Leben des Öfteren erleben durfte. Denn an jenem Abend, als ich nach Hause kam und den Blick-Wettbewerb ausfüllte, sagte ich wirklich laut zu Gott (ja, ich unterhalte mich manchmal laut mit Ihm): "Mann, ich wünsche mir echt, diesen Wettbewerb zu gewinnen und a-ha endlich mal persönlich kennen zu lernen. Na ja, aber ob ich 'ne Chance habe…? Vielleicht kannst Du mir ja helfen???"

Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten, denn kurz darauf klingelte das Telefon und eine aufgeregte Monica war am anderen Ende. Wenn sie das Ganze mit der Frage "Sitzt du?" einleitet, dann weiß ich, dass ich wirklich einen Stuhl suchen muss. Gut, ich setzte mich also auf den stabilsten Stuhl.
"Kannst du übermorgen frei nehmen?"
"Ja, sicher…"
"Gut, wir treffen a-ha!"
Schluck. Was… was sagte sie da????
Als wäre mein Stuhl in Wirklichkeit ein Schleudersitz, stand ich in der nächsten Sekunde wieder auf meinen Füssen.
"Sag das noch mal!!!"
"Wir treffen a-ha! Ich hab den Wettbewerb gewonnen!"
"Ja… du.. wir.. du … oder wie?"
Grinsen am anderen Ende der Leitung. "Ich habe den Wettbewerb gewonnen und ich darf dich mitnehmen!"
Ich tigerte in meiner 31 Quadratmeter-Wohnung hin und her. Wo Wie Was Wann und Warum? Gott, was sagte sie da? Wo ist die nächste Wand, die ich raufklettern kann? Ich muss unbedingt einen Purzelbaum schlagen. Warum bin ich bloß nicht Spider-Man… der kann über die Dächer rennen und durch die Lüfte wirbeln!
Okay okay okay.
Als nächstes ließ ich es alle Verwandten und Freunde wissen, dass morgen die Sternstunde der Geschichte sein würde… ein historischer Augenblick… und meine Mutter gab diese Sensation wiederum ihren Freunden weiter, da ich in weiten Kreisen als a-ha-Fan bekannt bin.

In der folgenden Nacht bastelte ich im Traum eine Frage für Morten zusammen, und als ich am nächsten Morgen erwachte, wusste ich erst nicht, was los war, ich wusste nur, dass etwas unglaublich Schönes geschehen war. Das ist eines der genialsten Gefühle, aufzuwachen und schon fast im Bett zu schweben….
Die Leute in meiner Firma waren fassungslos, als ich am nächsten Tag mit der Neuigkeit herausplatzte. Man glaubt es nicht, aber bei der jüngeren Generation ist a-ha erstaunlich gut bekannt… und sogar recht beliebt! Jemand fragte mich sogar, ob ich eine Mitarbeiterin der Band sei. Ja, soweit kommt's noch…
Und so wurde die Flamme der Vorfreude und Aufregung von Stunde zu Stunde größer.

Und dann, am Mittwoch, erwachte ich mit fürchterlichen Kopfschmerzen. Zum Donnerwetter, das passiert mir ungefähr einmal im Jahr und ausgerechnete HEUTE! Nach zwei Tabletten und etwas Gebet war ich dann einigermaßen wieder ein Mensch. Die Vorbereitung ist ja immer das Schlimmste. Was zieh ich an, was nehme ich mit, was zieht Monica an, passen wir zueinander, hat alles Platz in der Tasche, wird Morten mich hübsch finden… und… und.. und… Ich war froh, als ich endlich die Haustür hinter mir geschlossen hatte.

Ich weiß nicht, was dem nun am nächsten kommt, was wir an jenem Nachmittag durchlebten… der eine fühlt sich so vor einer Prüfung oder einem Vorstellungsgespräch. Vielleicht war es auch mit dem zu vergleichen, was wir als Kinder gefühlt hatten, wenn wir uns auf Weihnachten gefreut hatten… nur noch viel stärker. Oder vielleicht fühlt man sich auch so, wenn man im Lotto gewinnt? Oder einfach alles zusammen multipliziert mit drei.
Als wir durch die Strassen und Läden zogen, fragten wir uns oft, ob die Leute uns ansahen, was wir heute Abend vorhatten. Ich kaufte lauter Dinge, die ich nicht brauchte, weitere Kopfschmerztabletten (das Kopfweh war übrigens komplett weg!!!), Batterien, die noch heute verschlossen in der Packung liegen, ein Armband (das ich auch nicht brauchte aber gerne trage)… und ein Mittagessen bei Mr. Wong, was das einzige war, was wirklich nötig war. Während Monica vor lauter Aufregung kaum einen Bissen runter brachte, schlug bei mir die Gemütsverfassung ins Gegenteil um… ich futterte wie ein Scheunendrescher.

Und dann, auf der letzten Tramfahrt zum Zoo kehrte andächtige Stille ein. Unsere Kehlen waren wie zugeschnürt. Ich erinnerte mich, dass ich das letzte Mal vor meiner ersten Buchlesung ungefähr so nervös gewesen war, das vorletzte Mal vor der Buchtaufe und das vorvorletzte Mal vor zwölf Jahren an meiner Lehrabschlussprüfung.
Die letzten Schritte den Berg zum Hotel rauf waren eine Tortur, Monica hatte technische Schwierigkeiten mit ihren Schuhen und ich mit meinen Nerven. Nicht mal der wunderschöne Sonnenuntergang vermochte unsere aufgeregten Seelen zu beruhigen.

Drinnen im Hotel wurden wir von Suzy empfangen. Besser gesagt, sollten wir empfangen werden, denn bevor wir Suzy überhaupt zu Gesicht bekommen sollten, mussten wir uns zuerst an einem Türsteher vorbeidrücken, der eine gewisse Ähnlichkeit mit Magne hatte…. Äh… es WAR Magne! Also… ich quetschte ein Grinsen auf meine Lippen und begrüßte ihn mit einem Hi, und ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass er uns erfreut anstrahlte! Das stellte den wackeligen Boden unter meinen Füssen wieder ein bisschen her.

Suzy nahm uns in Empfang und führte uns ins Pressezimmer. Und hier sollten wir uns setzen… während sie a-ha zu uns bringen würden. Unsere Hände waren ganz klebrig. Es konnte sich nur noch um ein paar Sekunden handeln, bis hier drin das Universum aus den Fugen geraten würde. Ich schluckte leer, als die Tür aufging und nicht nur Magne und Paul, sondern auch eine Handvoll Presseleute ins Zimmer traten, und endlich, als übliches Schlusslicht, Morten.
Es gibt ein Geheimnis, dass ich und meine beiden Schwestern teilen. Ich darf es nicht verraten, denn sonst wäre es kein Geheimnis mehr. Nur soviel: "Wenn ich es eines Tages schaffe, a-ha die Hand zu schütteln…"
Und nun, bitte sehr, stand ich also da und schüttelte Magne, Paul und Morten höchstpersönlich die Hand, und es war mir nicht mal möglich, mir alles genau einzuprägen, denn meine Gefühle waren wie taub, und ich kam mir vor wie aus Wachs gegossen. Alle meine Fragen waren wie weggewischt, mein Kopf war komplett leer. Wirklich leer. Das berüchtigte Blackout. Ich habe das noch nie zuvor so krass erlebt. Und daran waren gar nicht in erster Linie a-ha schuld, sondern die vielen Reporter, die sich hinter uns aufgebaut hatten. Ich fand es nun absolut unpassend, Morten die Frage zu stellen, die ich im Traum für ihn vorbereitet hatte. Zum Glück war Monica auf Draht und stellte ihre Fragen so professionell, als würde sie jeden Tag mit a-ha plaudern, und ich stand einfach da und gaffte die drei an und dachte die ganze Zeit, jetzt wirkst du genau wie so ein hysterischer Fan und dabei wolltest du gerade nicht so rüberkommen!
Und dann - zack - zack - durften wir uns in Reih und Glied aufstellen, Paul, ich, Morten, Monica und Magne, und Morten… jaaa, der legte den Arm um mich, genau wie ich es mir gewünscht hatte! Bloß ich wusste nicht so recht, wo ich meinen Arm hinlegen sollte… hätte ich ihn um seine Taille geschlungen, hätte er es vielleicht als aufdringlich empfunden, hätte ich mich steif neben ihn gestellt, hätte er mich für einen toten Fisch gehalten, also entschied ich mich für eine vage Mittelvariante.

Danach gab es eine erneute Aufstellung für Monicas Fotoapparat, und da legte Morten den Arm nicht mehr um mich… na ja… ich hoffe mal, es lag wirklich nicht daran, dass ich mich wie einen toten Fisch angefühlt hatte…
Und zack - zack, wurden die armen Jungs wieder von den Reportern wie Schafe nach draußen getrieben, doch… HALT! Die durften doch jetzt noch nicht gehen! Ich musste… ich wollte doch… nur dieses eine Mal… Paul war schon halb auf dem Flur, und da kannte ich mich selbst nicht mehr. "Wait! I want to share something with you!" sagte ich zu Morten. Die Reporterin wirkte nicht sehr erfreut.
"Sorry, wir haben es nun wirklich eilig!"
Aber Morten wartete und sah mich an.
Ich wühlte hektisch in meinen Taschen.
"Es dauert nicht lange… einen Moment!" Ich fand endlich, was ich suchte und baute mich vor Morten auf. "Sorry, I don't want to stress you…"
Und Morten blickte auf das, was ich in den Händen hielt und sagte - und das war wirklich nett! -: "Sorry that I have to stress YOU…"
Ich hatte mein Buch, Maya und Domenico, in den Händen. Während meiner Teenager-Zeit habe ich an dieser Geschichte geschrieben, und ich kann nicht zählen, wie oft ich dazu a-ha gehört hatte… und ehrlich, wenn Morten nicht gewesen wäre weiß ich nicht, was aus Domenico geworden wäre. Und ich sagte: "I just want to say Thank you for all these inspiration. I know you won't have the time to read this book… just take this as a symbolic gift, just to say Thank you for all this!" Ich musste mich so kurz fassen, dabei hatte ich zuhause doch so eine schöne Rede vorbereitet… Na ja, ich hoffe, Morten hatte verstanden was ich ihm in den ganzen zwanzig Jahren hatte sagen wollen. Er nahm das Buch in seine Hände, sah mich an und sagte: "I thank YOU", wobei er das you betonte. Ja, er war wirklich im Stress und musste gehen… aber ich war happy… ich hatte ihm das Buch gegeben, und das war, wie ich es so gerne nenne, einer der historischsten Augenblicke meines Lebens, und wenn man mir das als Teenager erzählt hätte, hätte ich es nicht fassen können, dass Morten eines Tages Maya und Domenico in den Händen halten würde! Aber wenn man lange und intensiv genug träumt, dann erfüllen sich Träume wirklich…!

Und vielen Dank an Monica, die mich mitgenommen hat… denn sie hatte den Wettbewerb ja eigentlich gewonnen! :-)